Perspektivwechsel
Eine persönliche Geschichte:
Ich hatte vor einigen Jahren eine Beziehung mit einer jungen Frau, die ich damals wirklich sehr geliebt habe, die in die Brüche ging. Ich war damals am Boden zerstört und bin in ein riesiges Loch gefallen. Es ging mir unglaublich schlecht damit. Ich erklärte mir das Aus mit ihren psychischen Altlasten und habe damit die Verantwortung des Scheiterns quasi auf sie geschoben. Aber im Laufe der Wochen, als sich mein Zustand nach und nach verbessert hatte, fiel mir zunehmend auf, dass ich selber beziehungstechnisch wirklich total einen an der Waffel hatte. Das ging so weit, bis ich meine Ex-Freundin eines Tages innerlich komplett von jeglicher Schuld freisprechen konnte, weil im Angesicht meiner Defizite einfach klar war, dass ich mich an die eigene Nase zu fassen hatte. Von da an begann ich, für die Beziehung dankbar zu sein und auch dafür, dass sie zu Ende war. Es hatte sich zwar damit vollends ein ganzer Berg an Themen aufgetürmt, den ich an meinen Beziehungsmustern ändern musste, um beziehungsfähig zu sein, aber ich hatte es jetzt selbst in der Hand. Es gab keinen Grund mehr, ihr nachzutrauern, Groll gegen sie oder ihre Themen zu hegen oder verzweifelt irgendwie eine Art Ersatz für sie zu finden. Der Startschuss für meinen eigenen Prozess war gegeben. Und was seitdem kam, übertraf die schönsten Momente dieser alten Beziehung bei Weitem, weil ich dadurch viel wahrhaftiger, viel authentischer und mir treu geworden bin. Die Trennung, so schlimm sie auch war, war also letztendlich ein Geschenk.
Das bedeutet:
Alles ist für etwas gut. Egal, wie beschissen es sich auch zeitweilig anfühlen mag.
Es gibt zu einer Sache immer zwei Sichtweisen. Die eine schwächt uns, die andere stärkt uns.
Die Komfortzone
Das beste Beispiel dafür ist die Komfortzone. In ihr ist man sicher, hat alles im Griff und herrscht ohne Anstrengung. Es ist wie das eigene Haus und der umzäunte Garten. Allerdings verleitet sie auch zur Bequemlichkeit, Faulheit und es gibt nichts Neues darin zu entdecken, keinen Fortschritt, den man dort machen kann.
Aber außerhalb des Zauns, im Unbekannten, liegt das Abenteuer des Lebens, dort sind die Erfolge der Zukunft, schlicht und ergreifend alle Errungenschaften der restlichen Welt.
Genau wie ein Schiff im Hafen am sichersten ist, aber nicht für den Hafen gebaut wird.
Es ist also zwar sinnvoll, einen Safe Space zu haben, aber zu lange in ihm zu verweilen macht träge und unglücklich.
Ebenso verhält es sich mit Ereignissen. Der schlimmste Tag deines Lebens kann der Beste werden, wenn du seinen Sinn erkennst. Anstrengende Dinge machen dich stärker. Strapazen ausdauernder. Probleme weisen uns darauf hin, dass wir einen neuen Teil von uns selbst entdecken sollen, um uns von dem Problem zu lösen. Der Jobverlust fordert auf, etwas Neues zu wagen; die Trennung, beziehungsfähiger zu werden; die Depression, sich selbst mehr zu entsprechen – koste es, was es wolle.
Deine Übung
Probiere also mal aus, dir 3 deiner aktuellen Probleme aufzuschreiben und spüre in dich hinein, was diese Probleme für eine Chance bieten, auf welchen geforderten Fortschritt sie dich hinweisen könnten.
Wie ist es dir damit ergangen?
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